28 May 2022

NIJ 1 – A-Team sieht in Nijmegen schwarz

(JS) Vor einer Woche war die Liga noch in vollem Gange – wir suchten am letzten Finalspieltag die Sieger der Verbands-, Ober- und Regionalliga. Vereinsfahnen bestimmten das Bild, die Trikotfarben grün, gelb, blau und rot standen im Vordergrund. Man lebte noch ein letztes Mal „Vereinsliga“ in Vereinstrikots, sang und trommelte, freute sich riesig oder war am Ende enttäuscht. Die Liga 2021/22 ist Geschichte. Aber Korfball ist in diesem Frühsommer natürlich lange nicht vorbei. Nur denken wir ab jetzt nicht mehr vereinsintern, sondern stehen alle nebeneinander in den Bundeskadern, um uns auf die Aufgaben des Sommers 2022 vorzubereiten. An diesem Wochenende trainierte die deutsche U17 in Bennekom/Niederlande und das A-Team war gar seit Dienstag zum Länderspiel gegen die Niederlande unterwegs und schloss nahtlos ab Mittwoch zum Trainingslager NIJ 1 in Nijmegen an. Was sonst noch für Korfballdeutschalnd in diesem Sommer wichtig ist und wird, wollen wir berichten. Zu Beginn nur mal diese: Das A-Team sah schwarz….
Bevor wir erklären, was sich hinter diesem Satz verbirgt, vielleicht ein kurzer Überblick über die deutschen Auswahlteams.

U17

Die U17 mit den Trainern Thorben Hussmann und Matthias Freund trainierte an diesem Wochenende in Bennekom/Niederlande, um sich auf den U17-Worldcup am 2. und 3. Juli in Eindhoven vorzubereiten. Nach 2 Jahren Coronapause endlich wieder U17-Korfball. Die Auslosung brachte diese Gruppen zustande:
Gruppe A: Katalonien, Tschechien, England, Malaysia, Niederlande und Portugal,
Gruppe B: Belgien, Taiwan, Deutschland, Ungarn und Slowakei
Demnächst mehr zu diesem U17-WorldCup.

U15

Auch für die deutsche U15-Auswahl ist Corona „vorbei“. Wir schreiben das mal kursiv, weil: vorbei ist es ja nicht, aber wir spielen eben wieder. Das deutsche Team mit den Trainern Dominik Liepold und Hannah Freund wird in die Slowakei reisen. Das 18köpfige Team fliegt am 13.7. von Düsseldorf nach Wien, dann mit dem Bus nach Skalka in die Slowakei. Turnierdauer: 14.-16. Juli 2022. Teilnehmer: Katalonien, Tschechien, Deutschland, Niederlande, Ungarn, Polen, Portugal und die Slowakei.
Auch hierzu demnächst mehr.

U21

Nachdem die U21-EM im Februar coronabedingt abgesagt werden musste, scheint jetzt endlich ein Alternativtermin gefunden zu sein. Vom 29.9.-1.10. soll ein U21-Turnier in Terrassa/Katalonien stattfinden. IKF sucht gerade Teilnehmer. Wir haben bereits signalisiert, teilnehmen zu wollen.

WorldGames

Für das A-Team steht der Höhepunkt schlechthin an: Die alle 4 Jahre stattfindenden WorldGames, in diesem Jahr in Birmingham/USA, sind immer der Höhepunkt einer Korfball-Karriere. Der Kader ist benannt, die Vorbereitungen laufen seit Januar. Aber nach dem Ende der Liga und den vereinsgeführten Konkurrenzkämpfen, gibt es für das Team um die Bundestrainer Wilco van den Bos und Karen Fuchs jetzt nur ein Ziel: Den Teamgeist und die Spielstärke so zu stärken, dass wir am Ende der Vorbereitung sagen können: „Wir sind fertig“.
Dazu berichten wir demnächst über den Fortgang der Vorbereitungen. Diese laufen ab jetzt auf Hochtouren. Wir sind seit 4 Tagen in Nijmegen und verarbeiten ein volles Trainingsprogramm, oft mit 2 Einheiten pro Tag. Dass dazu natürlich ausreichende Relax-Phasen gehören, versteht sich von selbst. Und „Teambildung“ wird, wie immer im A-Team, groß geschrieben.
Lösen wir unsere Überschrift auf:
Auf eine Idee des Bundestrainers hin, besuchten wir am Freitag das Blindenmusuem in Nijmegen. Nach Erklärungen und umfangreicher Einführung wurden wir durch verschiedene Alltagsszenen geführt - in Räumen, die komplett licht- und fensterlos waren. Auch mit offenen Augen sahen wir nichts. Außer „schwarz“.
Wir hatten nur einen Blindenstock zur Hilfe und einen „Führer“ durch die Szenerie, der selbst sehbehindert/blind war. Für die meisten, oder alle von uns, ein vollkommen neues Gefühl. Wir sahen (natürlich) nichts, sondern mussten ertasten, erfühlen, riechen, nach Geräuschen horchen oder nach Anweisungen unseres blinden Führers gehen. Wir nahmen uns oft an die Hand, merkten schnell, dass man alleine schlechter zum Ziel kommt, als mit der Hilfe der anderen. Eine bessere Teambildungsmaßnahme kann man sich kaum vorstellen.
Dennoch gab es am Ende, als wir wieder zum Tageslicht kamen, keine Freude oder Jubel, denn die Erkenntnis, dass blinde Menschen nie zum Tageslicht zurückkommen, betrübte und schärfte den Sinn dafür, dass wir sehr dankbar sein müssen, nicht mit einer solchen Beeinträchtigung leben zu müssen oder geboren zu sein.
Wir waren vorher schon ein Team. Aber nach diesem Gang durchs Schwarze, ein anderes.
Jochen Schittkowski
TK-Leistungssport, Teammanager A-Team