20 October 2018

EM2018 | wir spielen im Finale der EM...

(JS) Die Überflieger, siehe Foto links, hatten heute Morgen kein Programm. Ausschlafen, relaxen und locker den freien Tag genießen. Es kursierte dieses Gerücht: „Wir haben unser gestecktes Ziel der EM verpasst!!“ – Das Ziel war die Bronzemedaille, jetzt ist es (schon) Silber! Echt daneben, oder? Wir haben es noch nicht realisiert. Aber der Sieg gegen Belgien hat uns einen Weg geebnet, den wir am letzten Sonntag noch nicht erkannt haben. Natürlich ist nicht nur der Erfolg über Belgien maßgebend: das deutsche Team hat bisher 5 Siege in 5 Spielen abgeliefert. Auch das ist historisch. Eine kleine Reflexion über das Halbfinale.
Die Analyse des Gegners dauerte länger, als bei den vorherigen Spielen. Die Trainer haben einen sehr guten Job gemacht. Wir waren also gut vorbereitet. Über das Tagesprogramm vor dem Halbfinale haben wir stundenlang diskutiert und uns dann für eine „ruhigere“ Variante entschieden. In Facebook sahen wir später, dass die Portugiesen eine Bootsfahrt auf einem See machten. Bei bedecktem Himmel, Windbrisen und „kalten“ 15 Grad. In Decken eingehüllt. Da war unser „Relax-Spaziergang“ in Sneek entspannter. Wir waren gut eingestellt. Man hatte beim Halbfinale niemals den Gedanken, dass hier etwas „anbrennen“ könnte. Tom Brady, Kommentator von worldkorfbll.org: „The Germans are controlling the match!” – Wir kontrollieren das Spiel.
Nach 10 Minuten 5:5
Wir spielten ruhig, kein Hauch von Hektik zu spüren. „Wir nehmen den ersten Wurf, dann den Zweiten – und wenn der nicht sitzt, bauen wir neu auf“. Leicht gesagt, aber das Team folgte jeder der zahlreichen Anweisungen mit stoischer Ruhe. Da war sie also wieder: die Ruhe, die das Team bis zur letzten Sekunde ausstrahlte. Im 2. Viertel gewannen wir 5:0. Die Portugiesen warfen keinen Korb! Wir führten zur Halbzeit 10:5. Eine Vorentscheidung? Traineransprache in der Kabine: „wir spielen weiter unser Spiel, die Portugiesen wissen nicht, was sie gegen uns tun sollen.“
Das Team spielte ihr Spiel, wir gewannen das dritte Viertel mit 6:3 und da war das Spiel „gelaufen“. Wir führten 16:8 und hatten das Spiel weiter unter Kontrolle. Und zwar mehr und mehr. Portugal merkte, dass sie heute gegen das deutsche Team keine Chance haben würden. Und doch spielte unser Team „ihren Stiefel“ mit Lässigkeit herunter und warf Korb um Korb, ließ sich irritieren und hatte den Spaß am Spiel, der notwendig ist, um erfolgreich zu sein. Und dann passierte noch etwas für die Portugiesen Demoralisiernedes: Die Trainer wechselten unsere komplette Bank ein. Sieben Wechsel Mitte des letztes Viertels setzten nicht nur die Portugiesen unter Stress, sondern auch mich, denn Trainer haben die Angewohnheit, Wechsel niemals zeitig anzukündigen, sondern blitzschnell. Wir warfen noch einen Korb du gewannen 20:10.
Ein Wahnsinns-Ergebnis für ein Halbfinale. Damit stehen wir im Finale der Europameisterschaft.
Den Satz heute zu schreiben, hätte ich vor einer Woche nicht mal gewagt zu träumen.
Und morgen stehen wir gegen die Niederlande auf dem Platz. 3.500 Zuschauer wollen das in der Halle sehen. Und: das Spiel wird im NED-TV live (NOS-Studio-Sport) übertragen.
Wir haben noch gar nicht gespielt und schweben schon auf Wolken? Ist das nicht verrückt?
Jochen Schittkowski, TM, Teamquartier Earnwalde, Fryslan, NED