Was für ein Spiel! Was für eine Mannschaft! Mit einem Sieg in einem packenden Duell gegen Portugal haben wir uns bereits vorzeitig für das Halbfinale der Europameisterschaft qualifiziert und stehen damit unter den besten vier Mannschaften Europas!

Nachdem wir bereits am spielfreien Montag eine Stunde trainiert hatten, verzichteten wir heute Morgen auf eine weitere Trainingseinheit. Stattdessen ging es nach dem Frühstück für einen kleinen Spaziergang zum Sportfeld um die Ecke. Ansonsten stand der Vormittag ganz im Zeichen der Regeneration und der Vorbereitung auf das, was am Abend auf uns warten sollte.
Um 12:00 Uhr gab es den mittlerweile gewohnten Mittagssnack mit reichlich Quark, bevor um 15:00 Uhr die Teambesprechung auf dem Programm stand. Um 16:15 Uhr ging es dann zum Pre-Match-Meal in ein kleines Restaurant direkt neben unserem Hotel. Der Besitzer hatte für uns extra zwei Stunden später geöffnet, damit wir auch vor diesem wichtigen Spiel noch gut versorgt wurden.
Eine Besonderheit dieses Tages war, dass wir uns unser Hotel mit den Portugiesen teilen. So saßen wir bereits morgens gemeinsam beim Frühstück und fuhren später sogar zusammen im Bus zur Halle. Doch bei aller Freundlichkeit abseits des Spielfelds war bei den Mannschaften eine besondere Anspannung zu spüren.
Jeder wusste: Jetzt kommt es darauf an. Ein Spiel was den Turnierverlauf bestimmt.
Genau für solche Spiele trainieren wir
Bereits im gestrigen Bericht hatten wir darüber geschrieben, warum wir seit März so viele Stunden in der Halle verbracht, unzählige Würfe genommen und immer wieder dieselben Abläufe trainiert haben.
Genau für solche Spiele.
Auch unser Kapitän Jan Robert Heming fand bei der letzten Ansprache vor dem Spiel noch einmal ähnliche Worte und machte deutlich, worum es heute ging. Wir wollten das Beste aus uns herausholen und zeigen, dass wir auch gegen einen Gegner auf Augenhöhe unsere Leistung auf das Feld bringen können. Die Trainer hatten die Portugiesen intensiv analysiert und die Mannschaft sehr gut auf deren Spielweise vorbereitet. Portugal arbeitet viel mit langen Bällen und nutzt gerne die Unterstützungsposition, um daraus Chancen zu entwickeln. Unser Ziel war deshalb, diese Abläufe möglichst früh zu stören und Portugal gar nicht erst in die gewünschten Situationen kommen zu lassen.
Und dann ging es endlich los.

Ein Spiel auf Augenhöhe
Der Start verlief zunächst etwas unglücklich. Portugal ging mit 2:0 in Führung, obwohl wir uns selbst bereits gute Chancen und mehrere Wurfwiederholungen erarbeitet hatten. Nur die Treffer wollten noch nicht so konstant fallen.
Doch wir ließen uns davon nicht beeindrucken und fanden schnell ins Spiel.
Was anschließend folgte, war ein unglaublich ausgeglichenes Duell. Portugal ging immer wieder mit einem, teilweise auch mit zwei Körben in Führung. Wir verkürzten oder glichen aus. Über 3:3, 4:4 und 7:7 entwickelte sich ein Spiel, in dem sich keine der beiden Mannschaften entscheidend absetzen konnte.
Mit einem 8:8 ging es schließlich in die Halbzeitpause.
Und obwohl wir bis dahin noch kein einziges Mal in Führung gegangen waren, fühlte sich das Spiel von unserer Bank aus richtig gut an. Wir waren fokussiert, erspielten uns gute Chancen und konnten viele der portugiesischen Angriffe so verteidigen, wie wir es uns vorgenommen hatten. Natürlich lief nicht alles perfekt.
Hier und da schlichen sich kleinere Fehler ein. Mal eine unnötige Aktion in der Verteidigung, die zu einem Freiwurf führte, mal eine Entscheidung im Angriff, bei der man sich von außen vielleicht die Haare raufen konnte oder Fehler beim rüberspielen.
Entscheidend ist doch nicht, dass keine Fehler passieren. Entscheidend ist, wie man als Mannschaft darauf reagiert. Und hier zeigte unser Team eine unglaubliche Mentalität. Es wurde weiter verteidigt, weiter gearbeitet, weiter um jeden Ball gekämpft. Niemand ließ den Kopf hängen oder sich von einer unglücklichen Aktion aus dem Konzept bringen.

Die Spannung nimmt kein Ende
Auch nach der Halbzeit änderte sich zunächst wenig am Spielverlauf.
Portugal legte vor, wir glichen aus. In der 28. Minute stand es 12:12. Doch kurz vor Ende des dritten Viertels gelang uns endlich der erste Führungstreffer zum 13:12.
Portugal reagierte direkt mit einer Auszeit. Für unsere Mannschaft natürlich auch eine Bestätigung, dass wir den Gegner jetzt zunehmend unter Druck setzen konnten. Mit diesem knappen Vorsprung ging es in die letzten zehn Minuten.

Und die hatten es wirklich in sich.
Portugal glich aus, wir gingen wieder in Führung. Portugal glich erneut aus und wir legten wieder vor. Das Momentum war nun also genau andersrum wie in den 28 Minuten zuvor. Jeder Korb wurde gefeiert, jede gute Verteidigungsaktion bejubelt und auf beiden Seiten war die Anspannung deutlich zu spüren. Trotz dieser Intensität blieb es insgesamt ein faires und respektvolles Spiel zwischen zwei Mannschaften, die sich sportlich alles abverlangten. Zwei Minuten vor Schluss gelang es uns dann erstmals, einen Vorsprung von zwei Körben herauszuspielen.
War das die Entscheidung?
Natürlich nicht. Portugal verkürzte direkt im nächsten Angriff wieder auf einen Korb.
Die Spannung war mittlerweile kaum noch auszuhalten. Auf der Bank wurde mitgefiebert, geschrien, gejubelt und bei jeder Aktion mitgelitten. In der letzten Minute konnten wir uns erneut auf zwei Körbe absetzen. Doch auch jetzt gab Portugal nicht auf und verkürzte noch einmal.
Ein Korb Vorsprung. Portugal im Angriff. Die letzten Sekunden laufen.
Und dann?
Der letzte Wurf wurde verteidigt. Ein Pfiff der Schiedsrichterin zugunsten unserer Verteidigung.
Das Spiel war entschieden!
Was danach folgte, war einfach nur pure Freude.
Jubel, Erleichterung und eine Mannschaft, die wusste, was sie gerade gemeinsam geschafft hatte.

Aufstellung und Korbschützen: Jan Robert Heming (C), Theo Nowak (5), Madeline Gust (2), Anna Orth (1), Lea Witthaus (4), Thomas Freund (3), Lucas Witthaus (0), Hannah Heilmann (3); Eingewechselt: Julia Strach
Eine erste Belohnung für die ganze Arbeit
Was sagt so ein Spiel über eine Mannschaft aus?
Ziemlich viel, wie ich finde. Wir haben heute sicherlich nicht jeden Angriff perfekt ausgespielt, nicht jede Chance genutzt und auch nicht jeden Fehler vermeiden können. Aber wir sind über die gesamten 40 Minuten bei uns geblieben.
Wir haben uns nicht davon beeindrucken lassen, dass Portugal in der ersten Halbzeit immer wieder vorgelegt hat. Wir haben weiter an unsere Spielweise geglaubt, uns gegenseitig unterstützt und in den entscheidenden Momenten die richtigen Antworten gefunden.
Genau dafür trainieren wir.
Für diese Spiele, diese Anspannung, diese Emotionen und am Ende natürlich auch für das Gefühl, gemeinsam als Mannschaft erfolgreich zu sein.
Es ist eine erste große Belohnung für die vielen Trainingslager, Spiele und Stunden, die wir seit März gemeinsam investiert haben. Und das macht natürlich Lust auf mehr!
Respekt auch neben dem Spielfeld
Besonders schön war auch der Umgang miteinander nach dem Spiel. Denn während wir auf dem Feld um jeden Korb gekämpft hatten, ging es anschließend wieder gemeinsam mit den Portugiesen im Bus zurück zum Hotel. Auch beim Abendessen saßen wir wieder nebeneinander.
An dieser Stelle möchten wir deshalb auch den Portugiesen ein großes Kompliment machen. Sie haben uns heute sportlich alles abverlangt und dabei für ein insgesamt sehr faires und respektvolles Miteinander gesorgt.
So soll Sport sein.
Halbfinale gesichert – aber erst wartet Belgien
Durch diesen Sieg stehen wir nun gemeinsam mit Belgien mit jeweils sechs Punkten an der Spitze unserer Zwischenrundengruppe.
Da wir den direkten Vergleich gegen Portugal gewonnen haben, können wir auch bei einem portugiesischen Sieg gegen die Türkei nicht mehr aus den ersten beiden Plätzen verdrängt werden.
Damit steht bereits fest: Deutschland gehört zu den besten vier Mannschaften dieser Europameisterschaft!
Das Halbfinale am Donnerstag in Zlín ist damit gesichert.
Doch so weit wollen wir noch gar nicht vorausblicken.
Denn morgen wartet bereits die nächste große Aufgabe auf uns.
Um 16:00 Uhr treffen wir auf Belgien. Nach vier Spielen mit einer Anwurfzeit von 19:15 Uhr ist das für uns eine ungewohnte Uhrzeit, auf die wir unseren Tagesablauf entsprechend einstellen werden.
Wir freuen uns auf dieses Spiel und wollen auch gegen Belgien zeigen, was in unserer Mannschaft steckt.
Heute dürfen wir aber erst einmal stolz darauf sein, was wir gemeinsam erreicht haben.
Vier Spiele, vier Siege. Halbfinale!