Eine Danksagung, ein Rückblick und ein Ausblick von
Thorben Bergmann – Team Manager A-Nationalmannschaft
Vier Siege, drei Niederlagen und am Ende Platz vier bei der Europameisterschaft 2026 in Tschechien. Wir gehören damit weiterhin zu den vier besten Korfballnationen Europas. Eine Platzierung, auf die wir stolz sein können und die Deutschland einmal mehr in der europäischen Spitze bestätigt.
Doch nach knapp zwei Wochen Europameisterschaft möchten wir nicht nur auf Ergebnisse, Körbe und Platzierungen zurückblicken. Wir möchten auch einmal den Blick auf das richten, was hinter diesen Leistungen steckt.
Denn eines ist sicher: Ein Platz unter den besten vier Mannschaften Europas wird einem nicht geschenkt.
Bevor wir dabei auf unsere Nationalmannschaft schauen, möchten wir ganz bewusst den Menschen danken, die das Fundament für all das legen: unseren Vereinen, den Trainerinnen und Trainern und allen, die sich Woche für Woche mit großem Engagement um unser Vereinsleben kümmern. Denn ohne eine starke Basis gibt es keinen erfolgreichen Leistungssport. Ihr seid diejenigen, die Kinder und Jugendliche für Korfball begeistern, Talente fördern, Spielerinnen und Spieler über viele Jahre begleiten und ihnen die Freude an unserem Sport vermitteln. Ihr schafft damit überhaupt erst die Voraussetzungen dafür, dass sich Menschen irgendwann auf internationalem Niveau mit den Besten messen können. Vielen, vielen Dank für eure Zeit, für eure Leidenschaft und für die Entwicklung so vieler toller Spielerinnen und Spieler in unserer kleinen Korfballgemeinschaft! Ohne euch wären solche Erfolge nicht möglich.
Was man auf Instagram nicht immer sieht
Wer uns während der Europameisterschaft auf Instagram begleitet hat, konnte viele Einblicke in unseren Mannschaftsalltag bekommen. Gemeinsame Aktivitäten, lustige Momente, Spieleabende, jede Menge Lachen und eine Mannschaft, die offensichtlich unglaublich viel Spaß miteinander hat. Und genau das gehört auch dazu. Diese gemeinsamen Erlebnisse machen eine Nationalmannschaft besonders. Sie sorgen dafür, dass aus einzelnen Spielerinnen und Spielern eine Mannschaft wird, die füreinander einsteht.
Doch das ist eben nur ein Teil der Geschichte.
Was man auf Social Media häufig nicht sieht, sind die vielen Stunden Arbeit, die notwendig sind, um überhaupt auf diesem Niveau spielen zu können. Unsere Nationalspielerinnen und Nationalspieler trainieren nicht einfach nur zwei- bis dreimal pro Woche in ihren Vereinen und bestreiten am Wochenende ein Ligaspiel.
Hinzu kommen zusätzliche Einheiten im Fitnessstudio, Laufeinheiten, individuelles Athletiktraining und die kontinuierliche Arbeit an der eigenen körperlichen Leistungsfähigkeit. Dazu kommen Trainingslager, Testspiele, Videoanalysen und die Bereitschaft, immer wieder an den eigenen Fähigkeiten zu arbeiten.
Und das alles neben Beruf, Studium, Ausbildung, Familie und den ganz normalen Verpflichtungen des Alltags.
Nationalspieler/in zu sein bedeutet eben nicht nur, das Nationaltrikot tragen zu dürfen. Es bedeutet vor allem, seine Leidenschaft zu leben.
Erfolg braucht Zeit – und Freude an dem, was man tut
Gerade der jüngeren Generation möchten wir deshalb etwas mitgeben.
Wer einmal für Deutschland spielen und sich mit den besten Korfballspielerinnen und Korfballspielern Europas messen möchte, muss bereit sein, Zeit und Arbeit zu investieren.
Talent ist eine gute Voraussetzung. Aber Talent allein reicht nicht. Es braucht Disziplin, Eigeninitiative, Ausdauer und den Willen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Nicht nur beim Mannschaftstraining, sondern auch dann, wenn niemand danebensteht und kontrolliert, ob man seine zusätzliche Einheit wirklich absolviert und ob man diese gut absolviert. Gerade in Zeiten von Social Media entsteht manchmal der Eindruck, dass Erfolg schnell kommen kann. Man sieht die besonderen Momente, die Siege, die Nationaltrikots und die großen Turniere. Was man häufig nicht sieht, sind die vielen Jahre, die dahinterstecken:
Die unzähligen Trainingseinheiten, die Rückschläge, die Verletzungen, die zusätzlichen Stunden im Fitnessstudio, der Schweiß, die Anstrengung und auch der bewusste Verzicht auf andere spaßige Sachen wie wilde Partynächte, Urlaub mit den Freunden oder Netflix & Chill den ganzen Tag. Und man sieht nicht die vielen kleinen Schritte, die notwendig sind, um irgendwann auf diesem Niveau spielen zu können. Sportlicher Erfolg entsteht nicht über Nacht. Er ist das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung.
Dabei möchten wir aber auch eines ganz deutlich machen: Leistungssport darf nicht bedeuten, sich selbst ständig unter Druck zu setzen oder die eigene Gesundheit dem Erfolg unterzuordnen. Neben der körperlichen Gesundheit spielt auch die mentale Gesundheit eine entscheidende Rolle. Wir möchten, dass unsere Spielerinnen und Spieler mit Freude, Selbstvertrauen und einem gesunden Leistungsanspruch ihren Sport ausüben können. Dazu gehört auch, auf sich selbst zu achten, Belastungen ernst zu nehmen, Pausen zuzulassen und offen miteinander zu sprechen, wenn es einem einmal nicht gut geht.
Auch in diesem Bereich möchten wir uns als Nationalmannschaft weiterentwickeln und unsere Spielerinnen und Spieler bestmöglich begleiten. Denn Leistungsbereitschaft und mentale Gesundheit sind keine Gegensätze. Im Gegenteil: Wer langfristig erfolgreich sein möchte, braucht beides. Es geht nicht darum, möglichst viel Druck aufzubauen. Es geht darum, gemeinsam Ziele zu verfolgen, sich gegenseitig zu unterstützen und mit Freude an der eigenen Entwicklung zu arbeiten.
Und genau das ist vielleicht der wichtigste Punkt: Wir investieren diese ganze Zeit nicht, weil wir es müssen, sondern weil wir es wollen.
Weil wir Korfball lieben und nicht genug von Korfball bekommen.
Zwei Wochen mit den besten Leuten – was gibt es Schöneres?
Bei aller Leistungsorientierung dürfen wir nämlich eines nicht vergessen: Das Schönste an unserem Sport sind die Menschen, mit denen wir ihn erleben. Natürlich möchten wir Spiele gewinnen, uns verbessern und bei großen Turnieren möglichst erfolgreich abschneiden.
Aber was könnte es Schöneres geben, als gemeinsam mit seinen besten Freunden einer Leidenschaft nachzugehen? Genau das ist doch Mannschaftssport.
Zusammen trainieren, zusammen kämpfen, zusammen gewinnen und zusammen verlieren. Sich gegenseitig motivieren, gemeinsam über sich hinauswachsen und dabei unglaublich viel Spaß haben.
Und eine Europameisterschaft ist vielleicht der größtmögliche Ausdruck davon.
Fast zwei Wochen mit seinen besten Leuten unterwegs sein, gemeinsam Korfball spielen, für Deutschland auflaufen und jeden Tag miteinander verbringen.
Dafür nehmen unsere Spielerinnen und Spieler Urlaubstage. Während andere in den Urlaub fahren, um sich zu erholen, reisen wir zu einer Europameisterschaft, trainieren, spielen und verbringen unsere Zeit miteinander. Körperliche Erholung ist das sicherlich nicht immer. Aber dafür bekommen wir etwas zurück, das sich kaum in Worte fassen lässt.
Dieses Gefühl, Teil einer Mannschaft zu sein. Gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten. Sich aufeinander verlassen zu können und zu wissen, dass die anderen genauso viel Leidenschaft für diesen Sport mitbringen wie man selbst. Wer uns während der Europameisterschaft auf Instagram begleitet hat, konnte davon zumindest einen kleinen Eindruck gewinnen. Wir haben unglaublich viel gelacht, gemeinsam gespielt, uns gegenseitig aufgezogen und viele schöne Momente erlebt. Doch genauso besonders waren die Augenblicke, in denen aus dieser ausgelassenen Stimmung plötzlich absolute Konzentration wurde.
Wenn die Spielbesprechung begann, der Matchplan durchgegangen wurde und alle wussten: Jetzt geht es wieder darum, gemeinsam die bestmögliche Leistung abzurufen.
Dann stand der Wettkampf im Mittelpunkt. Der Ehrgeiz, gewinnen zu wollen. Das Vertrauen ineinander und die Bereitschaft, füreinander alles auf dem Spielfeld zu geben. Das ist kein Widerspruch zum Spaß am Sport. Das ist ein ganz wesentlicher Teil davon.
Denn gerade weil uns dieser Sport so viel bedeutet, wollen wir erfolgreich sein. Und genau deshalb investieren wir auch so viel Zeit in unsere Vorbereitung. Am Ende sind es aber nicht nur die Ergebnisse, die bleiben. Es sind die gemeinsamen Erlebnisse, die Geschichten, über die man noch Jahre später lacht, die schwierigen Momente, die man zusammen durchgestanden hat, und die Freundschaften, die daraus entstehen. Verbindungen, die oft ein ganzes Leben halten.
Das ist etwas, das man gerade im Vereins- und Mannschaftssport auf eine ganz besondere Weise erleben kann. Und wenn wir der nächsten Generation etwas mitgeben möchten, dann genau das:
Arbeitet an euch, verfolgt eure Ziele und seid bereit, viel dafür zu investieren. Aber verliert dabei niemals die Freude am Sport und an den Menschen, mit denen ihr ihn ausübt.
Denn genau diese Mischung aus Leidenschaft, Leistungsbereitschaft und Gemeinschaft macht unseren Sport so besonders.
Ein großes Dankeschön an unsere Trainerteam
Eine solche Leistung entsteht selbstverständlich nicht allein durch die Arbeit der Spielerinnen und Spieler.
Deshalb möchten wir uns ganz besonders bei unserem Trainerteam bedanken.
Wilco van den Bos und Matthias Freund haben unglaublich viel Zeit und Energie investiert, um unsere Mannschaft bestmöglich auf diese Europameisterschaft vorzubereiten.
Dazu gehörten nicht nur die Trainingseinheiten und die Betreuung während der Spiele. Gerade die vielen Stunden der Vorbereitung, die Videoanalysen unserer eigenen Spiele und der Gegner sowie die Entwicklung individueller Matchpläne für jede einzelne Begegnung sind von außen kaum sichtbar.
Jeder Gegner stellt andere Anforderungen. Jede Partie braucht eine eigene Vorbereitung. Und gerade auf internationalem Niveau können kleine taktische Details einen großen Unterschied machen.
Vielen Dank für euren Einsatz, eure Ideen, eure Geduld und euren Anspruch, gemeinsam mit der Mannschaft immer besser werden zu wollen!
Danke an unsere Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten
Ein mindestens genauso großes Dankeschön geht an unser Physio-Team bestehend aus Alice Füssgen, Susanne Rolofs, Jan Kurreck und Tobias Kehlenbach.
Ihr habt unsere Spielerinnen und Spieler sowohl während der Vorbereitung als auch bei der Europameisterschaft begleitet und wart jederzeit ansprechbar.
Ob bei kleineren Beschwerden, Verletzungen, Regeneration oder der täglichen Vorbereitung auf Training und Spiele: Eure Unterstützung war fantastisch. Gleichzeitig haben wir in diesem Jahr begonnen, weitere Themen noch bewusster und strukturierter anzugehen. Dazu gehören unter anderem das Aufwärmen, Ernährung, Schlaf, Athletik, Wettkampfroutinen und ein besseres Bewusstsein für die Anforderungen des Leistungssports. Auch hier stehen wir in einigen Bereichen noch am Anfang unserer Entwicklung. Umso wertvoller sind eure Erfahrungen, eure Anregungen und euer fachlicher Input. Ihr helft uns nicht nur dabei, dass Spielerinnen und Spieler möglichst fit auf dem Feld stehen. Ihr unterstützt uns auch dabei, langfristig bessere Strukturen für unsere Nationalmannschaften zu entwickeln.
Vielen Dank für eure Zeit, eure Betreuung und euer großartiges Engagement!
Danke an Korfball Deutschland, TK, VfK und DTB
Ein großes Dankeschön geht auch an alle, die im Hintergrund dafür sorgen, dass unsere Nationalmannschaft überhaupt auf diesem Niveau antreten kann. Besonders danken wir Anna Goepfert als TK-Mitglied für den Leistungssport, Jochen Schittkowski, der sich unter anderem um die finanziellen Abstimmungen mit dem DTB kümmert und dem gesamten Technischen Komitee Korfball für ihren Einsatz. Ebenso bedanken wir uns bei allen, die uns und den Korfball allgemein unterstützen – insbesondere beim Verein zur Förderung des Korfballsports. Ein herzliches Dankeschön gilt außerdem dem Deutschen Turner-Bund (DTB), insbesondere Sina Keller und Bettina Reinhardt, für die Unterstützung und Zusammenarbeit.
Ohne dieses Engagement hinter den Kulissen wären solche internationalen Erfolge nicht möglich!
Auch Schiedsrichter können international durchstarten
Wenn wir über Leistung, Entwicklung und internationale Perspektiven sprechen, möchten wir einen Bereich ausdrücklich nicht vergessen: das Schiedsrichterwesen.
Mit Jan Weber Winkels war auch ein deutscher Schiedsrichter bei der Europameisterschaft in Tschechien vertreten und hat dort die schwarz-rot-goldenen Farben repräsentiert. Auch das ist eine Leistung, die Anerkennung verdient. Denn genau wie bei den Spielerinnen und Spielern braucht es auch im Schiedsrichterbereich Menschen, die sich engagieren, Erfahrungen sammeln und bereit sind, an sich zu arbeiten. Viele Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter stehen Woche für Woche in unseren Hallen, damit überhaupt Korfball gespielt werden kann.
Dafür möchten wir ausdrücklich Danke sagen. Gleichzeitig möchten wir gerade diejenigen ermutigen, die Lust auf mehr haben. Auch als Schiedsrichter kann man sich sportliche Ziele setzen, sich kontinuierlich weiterentwickeln und irgendwann internationale Spiele leiten. Bei einer Europameisterschaft bilden die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter gemeinsam mit den weiteren Offiziellen eine eigene Gruppe, die das Turnier intensiv miteinander erlebt.
Internationale Begegnungen, neue Kontakte, der Austausch mit Menschen aus anderen Nationen und die besondere Atmosphäre eines großen Turniers machen auch diesen Weg unglaublich spannend. Wer Interesse daran hat, sich im Schiedsrichterwesen weiterzuentwickeln und vielleicht irgendwann selbst international aktiv zu werden, kann sich gerne an unsere Schiedsrichterkoordinatoren wenden.
Auch hier gilt: Engagement, Lernbereitschaft und Leidenschaft können Türen öffnen.
Platz vier ist kein Selbstläufer – und die Zukunft beginnt jetzt
Zum Abschluss möchten wir noch einmal auf das zurückkommen, was uns besonders wichtig ist. Deutschland gehört weiterhin zu den vier besten Korfballnationen Europas.
Das ist eine starke Leistung. Aber es ist kein Selbstläufer. Diese Platzierungen sind das Ergebnis jahrelanger Arbeit vieler Menschen. Von Spielerinnen und Spielern, Trainerinnen und Trainern, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern, den Vereinen, Ehrenamtlichen und allen, die unseren Sport unterstützen. Sie entstehen durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, Zeit investieren und mit Leidenschaft dabei sind.
Und sie können nur dann auch in Zukunft erreicht werden, wenn wir weiterhin bereit sind, genau diese Arbeit zu leisten. Deshalb richtet sich unser Blick schon jetzt auf die kommenden Jahre und insbesondere auf unsere Nachwuchsspielerinnen und Nachwuchsspieler.
Ihr seid die nächste Generation, die einmal das deutsche Nationaltrikot tragen und sich mit den besten Mannschaften der Welt messen kann.
Nutzt eure Möglichkeiten. Seid neugierig. Arbeitet an euch. Fordert euch selbst heraus. Übernehmt Verantwortung für eure eigene Entwicklung.
Und vergesst bei all dem Ehrgeiz nie, warum ihr mit diesem Sport angefangen habt. Weil Korfball Spaß macht. Weil man gemeinsam Dinge erreichen kann, die allein nicht möglich wären. Und weil es kaum etwas Schöneres gibt, als mit Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten.
Wir nehmen aus dieser Europameisterschaft unglaublich viele Erinnerungen, Erfahrungen und neue Motivation mit. Natürlich hätten wir gerne eine Medaille gewonnen. Die Enttäuschung über das verlorene Bronzespiel gehört genauso zu diesem Turnier wie unsere vier Siege.
Aber wir nehmen auch den Stolz mit, erneut zu den besten vier Mannschaften Europas zu gehören.
Danke an alle, die uns auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben.
Wir freuen uns auf das, was kommt.