EM 2026: Eine Halbzeit auf Augenhöhe mit Belgien

Nach vier Siegen in Folge mussten wir am Mittwoch unsere erste Niederlage bei der Europameisterschaft hinnehmen. Gegen Belgien verloren wir am Ende mit 13:26. Ein Ergebnis, das deutlich ausfällt, aber nicht die gesamte Geschichte dieses Spiels erzählt. Denn gerade in der ersten Halbzeit konnten wir zeigen, dass wir auch gegen einen der stärksten Gegner des Turniers mithalten können.

Erinnerungen an 2018

Der Mittwoch begann für uns zunächst mit einem etwas anderen Tagesablauf. Nachdem wir unsere bisherigen Spiele immer um 19:15 Uhr ausgetragen hatten, stand die Partie gegen Belgien bereits um 16:00 Uhr auf dem Programm. Entsprechend mussten wir unsere gewohnten Abläufe etwas anpassen.

Zur Einstimmung hatten wir uns außerdem etwas Besonderes überlegt. Einige Spielerinnen und Spieler unserer Silbermedaillen-Mannschaft von 2018 hatten uns persönliche Videobotschaften geschickt. Damals gelang Deutschland bei der Europameisterschaft ein 20:18-Sieg gegen Belgien, einer der besonderen Momente der deutschen Korfballgeschichte. Acht Jahre später wollten wir wieder alles versuchen, um gegen Belgien als Sieger vom Platz zu gehen.

Die Botschaft für das Spiel war deshalb klar: Von der ersten bis zur letzten Minute kämpfen, füreinander arbeiten und alles reinwerfen, was wir haben.

Eine starke erste Halbzeit gegen Belgien

Und genau mit dieser Einstellung ging die Mannschaft ins Spiel. Belgien erwischte zunächst den besseren Start und ging mit 2:0 in Führung. Doch wir ließen uns davon nicht beeindrucken, glichen zum 2:2 aus und hielten die Partie in der Anfangsphase offen. Beim Stand von 3:5 drohte Belgien erstmals, sich etwas abzusetzen. Doch unsere Mannschaft zeigte eine richtig starke Reaktion. Mit einem 4:0-Lauf drehten wir das Spiel und führten nach 14 Minuten mit 7:5.

Gerade in dieser Phase funktionierte vieles von dem, was wir uns vorgenommen hatten. Im Angriff spielten wir uns gute Chancen heraus und in der Verteidigung machten wir es den Belgiern schwer, ihre gewohnten Abläufe durchzusetzen. Dabei gelangen uns auch ein, zwei richtig starke Blocks gegen belgische Würfe, die auf dem Feld und auf unserer Bank entsprechend gefeiert wurden. Mit drei Treffern in Folge drehten die Belgier das Spiel erneut zum 7:8. Wir blieben aber dran und hielten die Begegnung weiterhin offen. Mit einem knappen 8:10-Rückstand ging es schließlich in die Halbzeitpause.

Und auch wenn wir zurücklagen, konnten wir mit diesen ersten 20 Minuten durchaus zufrieden sein. Wir hatten gezeigt, dass wir gegen einen der stärksten Gegner Europas mithalten können, dass unsere Vorbereitung auf den Gegner funktioniert hatte und wir uns auch gegen Belgien gute Möglichkeiten herausspielen konnten.

Belgien entscheidet das Spiel nach der Pause

Leider gelang es uns nicht, diese Leistung über die gesamten 40 Minuten aufrechtzuerhalten. Belgien kam deutlich besser aus der Halbzeitpause und nutzte unsere Fehler und nachlassende Energie nun konsequenter aus. Mit vier Treffern in Folge setzten sich die Belgier bis zur 24. Minute auf 14:8 ab. Das war leider bereits die Vorentscheidung in diesem Spiel.

Trotzdem muss man unserer Mannschaft zugutehalten, dass sie weiterhin alles versuchte. Auch als der Rückstand immer größer wurde, wurde nicht aufgegeben. Es wurde weiter intensiv verteidigt, um jeden Ball gekämpft und auch im Angriff versuchten wir weiterhin, unser Spiel durchzuziehen. Mit frischen Kräften von der Bank wollten wir noch einmal neue Impulse setzen und den Belgiern bis zum Schluss alles abverlangen. Belgien zeigte aber gerade in der zweiten Halbzeit, warum die Mannschaft zu den besten Teams Europas gehört. Die Angriffe wurden sehr konsequent ausgespielt und die sich bietenden Chancen genutzt.

Am Ende stand eine deutliche 13:26-Niederlage.

Aufstellung: Jan Robert Heming (C), Xander Dries (1), Julia Strach (0), Madeline Gust (3), Lea Witthaus (3), Lucas Witthaus (0), Louis Baetzen (3), Hannah Heilmann (0)

Eingewechselt: Hannah Flessner (2), Johanna Treffts (0), Simon Wolters (1), Anna Orth (0), Thomas Freund (0)

Zufrieden mit der Leistung, trotz Niederlage

Natürlich waren wir mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Schließlich waren wir mit dem Ziel in das Spiel gegangen, Belgien zu schlagen. Doch nicht jedes Spiel, das man verliert, muss automatisch ein schlechtes Spiel gewesen sein. Bundestrainer Wilco van den Bos zeigte sich nach der Partie mit der Leistung und dem Einsatz der gesamten Mannschaft zufrieden. Besonders die erste Halbzeit hatte gezeigt, was möglich ist, wenn wir unsere Vorgaben konsequent umsetzen und gemeinsam auf einem hohen Niveau spielen. Dass es am Ende nur für eine Halbzeit gereicht hat, ist natürlich schade. Aber wir müssen auch anerkennen, dass Belgien über die gesamte Spielzeit die bessere Mannschaft war und verdient gewonnen hat. So ist das nun einmal im Sport. Und genau darum geht es doch auch: sich mit den Besten messen, erkennen, wo man steht, und versuchen, den nächsten Schritt zu machen.

Ergebnisse, die zeigen, wie eng es zugehen kann

Nach der Rückkehr ins Hotel war der Korfball-Tag übrigens noch nicht vorbei. Wir hatten uns im Meetingraum eingerichtet und verfolgten auf zwei Beamern parallel die weiteren Spiele der Zwischenrunde. Dabei wurde es noch einmal richtig interessant. Denn Portugal, gegen das wir am Vortag einen unglaublich engen und spannenden Sieg feiern konnten, verlor nun recht deutlich gegen die Türkei. Genau jene Türkei, die wir in unserer Gruppenphase mit 22:15 geschlagen hatten. Und das zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich Spiele bei einer Europameisterschaft verlaufen können. Ein Ergebnis allein sagt nicht automatisch aus, wie zwei Mannschaften im direkten Vergleich gegeneinander spielen werden. Unterschiedliche Spielweisen, Tagesformen, Matchpläne und die Fähigkeit, sich auf einen Gegner einzustellen, können einen großen Unterschied machen. Gerade deshalb darf man keinen Gegner unterschätzen und muss in jedem Spiel wieder die volle Leistung abrufen. Gleichzeitig zeigen uns die bisherigen Ergebnisse, dass wir uns auf einem guten Niveau bewegen und auch gegen starke Mannschaften unsere Chancen haben.

Jetzt wartet die Niederlande im Halbfinale

Mit dem zweiten Platz in unserer Zwischenrundengruppe haben wir uns für das Halbfinale qualifiziert, wo wir auf die Niederlande treffen. Jetzt gilt es, unsere Leistung möglichst über die gesamten 40 Minuten auf das Feld zu bringen. Die Niederlande ist als Korfball-Mutterland natürlich der große Favorit. Aber auch dieses Spiel beginnt bei 0:0 und wir wollen wieder alles investieren, um unseren Gegner so lange wie möglich zu fordern.

Fazit nach der Zwischenrunde: Nach fünf Spielen bei dieser Europameisterschaft stehen wir unter den besten vier Mannschaften Europas.

Vier Siege, eine Niederlage und jetzt das Halbfinale gegen die Niederlande.

Wir freuen uns auf das Spiel und auf eure Unterstützung!

 

Deutscher Turner-Bund e.V. | Sportart Korfball