Im Halbfinale der Europameisterschaft trafen wir am Donnerstagabend auf die Niederlande. Am Ende mussten wir uns den niederländischen Profis mit 11:35 geschlagen geben. Doch auch wenn die Kräfteverhältnisse auf dem Spielfeld deutlich waren, war es für unsere Mannschaft ein besonderes Erlebnis, sich auf dieser Bühne mit den Besten zu messen. Und ganz nebenbei konnten wir vor dem Anpfiff sogar schon drei kleine Siege gegen die Niederlande feiern.
Neue Halle, neue Atmosphäre
Mit dem Halbfinale wechselte das Turnier in die große Sporthalle nach Zlín, in der auch die weiteren Finalspiele ausgetragen werden. Erstmals trafen wir dort auch auf die Mannschaften, die ihre bisherigen Spiele in Prostějov absolviert hatten.
Für uns bedeutete der Ortswechsel glücklicherweise keine größeren Veränderungen. Zlín liegt nur etwa 15 Minuten von unserem Hotel in Otrokovice entfernt, sodass wir unsere gewohnten Abläufe beibehalten konnten und auch nicht noch einmal umziehen mussten.
Die Halle selbst bietet reichlich Zuschauerplätze und mit ihrer Lichttechnik, einer eindrucksvollen Einlaufshow samt Flammenwerfern und den Zuschauern direkt am Spielfeldrand eine richtig schöne Kulisse für die entscheidenden Spiele der Europameisterschaft.
Ganz ohne Abstriche ist die Halle allerdings nicht: An einigen Stellen merkt man ihr das Alter durchaus an. Vor allem die sehr warme, drückende Luft macht es den Mannschaften nicht unbedingt leichter. Trotzdem sorgt die Nähe der Zuschauer zum Spielfeld zusammen mit der aufwendigen Inszenierung für eine besondere Atmosphäre, die einer EM-Finalrunde durchaus gerecht wird.
Drei kleine Siege schon vor dem Anpfiff
Dass wir gegen die Niederlande sportlich vor einer riesigen Herausforderung standen, war natürlich allen bewusst. Schließlich spielen dort alle Akteure in der höchsten niederländischen Korfballliga, der Korfbal League.
Aber wenn man schon gegen die Niederlande spielt, darf man sich auch über die kleinen Erfolge freuen. Und davon hatten wir vor dem Anpfiff gleich drei zu verbuchen.
Sieg Nummer eins: die Trikotfarbe. Bei der Abstimmung über die Spielkleidung konnten wir uns mit unserem Wunsch durchsetzen. Die Niederlande musste deshalb auf ihr geliebtes Orange verzichten.
Sieg Nummer zwei: die Vorbereitung aufs Warm-up. Aufgrund verschiedener Unterbrechungen im Hallenprogramm wussten wir bereits im Vorfeld, dass uns nur 15 Minuten zum Aufwärmen auf dem Spielfeld bleiben würden. Darauf hatten wir uns eingestellt. Die Niederländer schienen davon dagegen überrascht und beschwerten sich direkt zu Spielbeginn bei den Schiedsrichtern über die kurze Aufwärmzeit.
Sieg Nummer drei: der Wimpel. Beim traditionellen Wimpeltausch war unser deutscher Mannschaftswimpel deutlich größer als der niederländische.
Damit hatten wir 3 Siege auf unserer Seite. Natürlich alles mit einem Augenzwinkern. Aber auch solche kleinen Geschichten gehören zu einer Europameisterschaft dazu.
Körbe, an die man sich noch lange erinnert
In unserer Spielvorbereitung ging es nicht darum, die Niederlande größer zu machen, als sie ohnehin schon ist. Vielmehr wollten wir uns noch einmal bewusst machen, was es bedeutet, gegen eine solche Mannschaft auf dem Feld zu stehen.
Zur Motivation schauten wir uns deshalb zahlreiche Körbe aus vergangenen Begegnungen der deutschen A-Nationalmannschaft gegen die Niederlande an. Denn eines ist sicher: Wer als deutscher Nationalspieler einen Korb gegen die Stars der niederländischen Korfbal League erzielt, erinnert sich daran häufig noch viele Jahre später. Auch Co-Trainer Matthias Freund griff diesen Gedanken in seiner Ansprache vor dem Spiel auf. Wir wollten uns nicht von den großen Namen beeindrucken lassen, sondern selbstbewusst auftreten, unsere Chancen nutzen und alles dafür geben, möglichst viele eigene Körbe zu erzielen. Und vor allem wollten wir als Mannschaft gemeinsam auftreten und die besondere Atmosphäre dieses Halbfinales genießen.

Niederländische Qualität setzt sich durch
Zum Spiel selbst gibt es gar nicht allzu viel zu sagen. Die Niederlande zeigte von Beginn an, warum sie seit Jahrzehnten die dominierende Nation im internationalen Korfball ist. Das hohe Tempo, die Präzision im Angriff, die individuelle Qualität und die Konsequenz bei den Abschlüssen machten es uns schwer, über längere Phasen mitzuhalten. Trotzdem versuchten wir, dagegenzuhalten, unsere eigenen Angriffe konsequent auszuspielen und zu möglichst vielen guten Abschlüssen zu kommen. Dabei ging es nicht nur darum, das Ergebnis möglichst knapp zu halten. Wir wollten selbst Körbe erzielen, mutig bleiben und die Möglichkeiten nutzen, die sich uns boten. Im Laufe der Partie kamen alle 14 Spielerinnen und Spieler unseres Kaders zum Einsatz. So konnten wir mit frischen Kräften von der Bank immer wieder neue Impulse setzen und allen die Möglichkeit geben, auf dieser besonderen Bühne gegen die Niederlande zu spielen. Und auch wenn die Niederländer das Spiel deutlich dominierten, gelangen uns insgesamt elf eigene Treffer. Acht verschiedene Spielerinnen und Spieler konnten sich dabei in die Korbschützenliste eintragen. Am Ende stand ein 11:35 aus deutscher Sicht auf der Anzeigetafel.
Eine besonders ärgerliche Szene gab es im Laufe der Begegnung, als eine niederländische Spielerin bei einer unglücklichen Aktion auf dem Fuß von Julia Strach landete. Julia musste daraufhin verletzt ausgewechselt werden. Wie es für Julia weitergeht, werden die nächsten zwei Tage zeigen.
Aufstellung: Jan Robert Heming (0), Theo Nowak (0), Hannah Flessner (0), Anna Orth (0), Thomas Freund (1), Hannah Heilmann (2), Simon Wolters (1), Johanna Treffts (2)
Eingewechselt: Lea Witthaus (1), Xander Dries (1), Julia Strach (0), Lucas Witthaus (1), Madeline Gust (1), Louis Baetzen (1)

Save the Date: Am Samstag geht es um Bronze
Wir spielen um die Bronzemedaille! Am Samstag um 13:30 Uhr gegen den Gastgeber aus Tschechien.
Nach vier Siegen und zwei Niederlagen haben wir jetzt die Chance, diese Europameisterschaft mit einer Medaille abzuschließen.
Dafür werden wir in den kommenden beiden Tagen noch einmal alle Kräfte sammeln, uns bestmöglich erholen und uns auf unser letztes Spiel vorbereiten.
Denn eines ist klar: Wir wollen die Bronzemedaille mit nach Hause nehmen.