EM 2026: Deutschland beendet die Europameisterschaft auf Platz vier

Es sollte der krönende Abschluss einer intensiven Europameisterschaft werden. Im Spiel um Platz drei traf die deutsche Korfball-Nationalmannschaft auf Gastgeber Tschechien. Vor einer lautstarken Kulisse in Zlín wollten wir noch einmal alles investieren, um uns für die vergangenen Wochen mit einer Bronzemedaille zu belohnen. Doch am Ende mussten wir uns mit 12:20 geschlagen geben.

Die Enttäuschung darüber war riesig. Gleichzeitig bleibt nach diesem Turnier aber auch eine Erkenntnis: Deutschland gehört weiterhin zu den vier besten Korfballnationen Europas. Und darauf können wir stolz sein.

Ein besonderer Morgen vor dem letzten Spiel

Schon am Morgen war zu spüren, dass dieser Samstag kein gewöhnlicher Spieltag werden würde. Die Anspannung war groß, die Konzentration hoch. Alle wussten, was auf dem Spiel stand. Nach dem Frühstück und einem kleinen gemeinsamen Spaziergang ging es direkt in die Matchvorbereitung. Mit einer leichten Mahlzeit sorgten wir noch einmal für ausreichend Energie, bevor die letzte große Spielbesprechung des Turniers anstand.

Dabei gab es zunächst noch einmal Unterstützung aus der Heimat. Zahlreiche Nachrichten und Videogrüße aus der deutschen Korfballgemeinschaft erreichten uns und wurden der Mannschaft vor dem Spiel gezeigt. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen zu Hause mitfieberten, uns die Daumen drückten und uns für dieses letzte Spiel noch einmal motivieren wollten.

Vielen Dank an alle, die sich daran beteiligt haben! Eure Unterstützung hat uns während des gesamten Turniers begleitet und bedeutet uns unglaublich viel.

Anschließend gingen Bundestrainer Wilco van den Bos und Co-Trainer Matthias Freund noch einmal den Matchplan durch. Gemeinsam beschäftigten wir uns mit den Stärken und Schwächen der tschechischen Mannschaft und wie wir unser Spiel umsetzen wollten.

Dann war es Zeit, in die Halle aufzubrechen.

Ein letztes Mal …

Das letzte Spiel eines Turniers bringt immer viele besondere Momente mit sich.
Ein letztes Mal gemeinsam in die Halle fahren.
Ein letztes Mal das Aufwärmen unter der Anleitung unseres Physiotherapeuten Jan im Hallengang.
Ein letztes Mal als gesamte Mannschaft das Warm-up absolvieren.
Und schließlich ein letztes Mal bei dieser Europameisterschaft voller Stolz die deutsche Nationalhymne singen.

In der Halle in Zlín war alles angerichtet für ein spannendes Spiel um Bronze. Die tschechischen Fans sorgten für eine lautstarke Atmosphäre und wollten ihre Mannschaft unbedingt zur Medaille tragen. Wir wollten ihnen diesen Wunsch natürlich nicht erfüllen. Danke ging es los.

Chancen waren da – die Treffer fehlten

Wir erwischten zunächst keinen schlechten Start. Bereits in der ersten Minute gingen wir mit 1:0 in Führung. Doch die Gastgeber fanden anschließend besser ins Spiel und konnten sich im ersten Viertel einen kleinen Vorsprung erarbeiten. Nach zehn Minuten lagen wir mit 2:4 zurück.

Dieser Rückstand sollte uns leider über weite Strecken der Begegnung begleiten. Dabei waren die Möglichkeiten durchaus vorhanden. Wir erspielten uns Chancen und versuchten, den tschechischen Angriff unter Druck zu setzen.

Was uns an diesem Tag allerdings fehlte, war die nötige Treffsicherheit.
Unsere Trefferquote lag deutlich unter dem Niveau, wir selbst von uns erwarten und welches wir erreichen können. Gerade in einem Spiel, in dem beide Mannschaften auf Augenhöhe agieren können, macht das einen entscheidenden Unterschied.

Durch eine frühzeitige Anpassung unserer Aufstellung versuchten wir mehr Kontrolle und Wurfwiederholungen zu gewinnen. Phasenweise gelang uns das auch, doch wir konnten den Rückstand nicht entscheidend verkürzen.

Mit einem 5:8-Rückstand ging es in die Halbzeitpause.

Drei Körbe Unterschied waren natürlich noch lange keine Vorentscheidung. Wir wussten, dass wir weiterhin alle Möglichkeiten hatten, dieses Spiel zu drehen.

Noch einmal alles versucht

Entsprechend motiviert kamen wir aus der Halbzeitpause. Wir konnten den Rückstand zunächst verkürzen und hielten den Kontakt zu den Tschechen. Auch wenn diese immer wieder Antworten fand, kämpften wir uns heran und lagen zum Ende des dritten Viertels beim 9:12 weiterhin nur drei Körbe zurück.

Ein besonders bitterer Moment ereignete sich allerdings in dieser Phase. Die eingewechselte Julia Strach erzielte erst mit einer starken Aktion zum Korb einen Strafwurf und verwandelte diesen. Doch wenig später musste sie mit einer Knieverletzung ausgewechselt werden.

Ein bitterer Moment für Julia und für unsere gesamte Mannschaft. Wir wünschen ihr an dieser Stelle noch einmal von Herzen gute Besserung! Selbstverständlich werden wir sie auch in der kommenden Zeit als Nationalmannschaft bestmöglich unterstützen.

Tschechien nutzt seine Chancen konsequent

Mit Beginn des letzten Viertels kippte die Begegnung dann endgültig zugunsten der Gastgeber. Tschechien gelang ein Lauf von sechs Körben in Folge und setzte sich von 12:9 auf 18:9 ab. Damit war die Entscheidung praktisch gefallen. Während wir weiterhin versuchten, unsere Chancen zu nutzen und eigene Treffer zu erzielen, lief bei den Tschechen nun vieles zusammen.

Wir versuchten weiterhin alles, konnten den Rückstand aber nicht mehr entscheidend verkürzen. Am Ende stand ein 12:20 aus deutscher Sicht auf der Anzeigetafel.

Herzlichen Glückwunsch an Tschechien zum verdienten Gewinn der Bronzemedaille!

Startaufstellung: Jan Robert Heming (2), Theo Nowak (1), Madeline Gust (2), Anna Orth (0),  Lea Witthaus (2), Thomas Freund (1), Lucas Witthaus (2), Hannah Heilmann (0)

Eingewechselt:  Julia Strach (1), Louis Baetzen (0), Johanna Treffts (1)

Wenn man weiß, dass mehr möglich gewesen wäre

Nach dem Schlusspfiff war die Enttäuschung natürlich riesig. Nicht nur, weil wir das Spiel um Bronze verloren hatten. Sondern vor allem, weil wir wussten, dass wir an diesem Tag nicht unser eigentliches Leistungsniveau erreicht hatten. Wir haben bei dieser Europameisterschaft mehrfach gezeigt, zu welchen Leistungen diese Mannschaft fähig ist. Und wir wussten, dass auch gegen Tschechien ein Spiel auf Augenhöhe möglich gewesen wäre. Doch dafür muss an einem solchen Tag vieles zusammenpassen. Unsere Chancen waren da, aber wir haben sie nicht konsequent genug genutzt. Gleichzeitig haben die Tschechen ihre Möglichkeiten besser verwertet und sich damit den Sieg verdient. So bitter das für uns ist: Auch das gehört zum Sport.

Nach dem Spiel richtete unser Trainerteam noch einmal aufbauende Worte an die Mannschaft und betonten auch nochmal, dass man das Turnier als ganzes betrachten soll, wenn die Enttäuschung vorüber ist.

Denn natürlich möchte niemand ein Turnier mit einer Niederlage beenden. Schon gar nicht, wenn eine Medaille zum Greifen nah war. Die Enttäuschung ließ sich in diesem Moment auch nicht einfach wegreden. Dafür hatten wir in den vergangenen Monaten und Wochen zu viel investiert. Und trotzdem wäre es falsch, dieses Turnier nur anhand seines letzten Spiels zu bewerten.

Platz vier in Europa – darauf können wir stolz sein!

Wir beenden die Europameisterschaft 2026 auf dem vierten Platz.

Das bedeutet, dass Deutschland weiterhin zu den vier besten Korfballnationen Europas gehört.

Eine Platzierung, die alles andere als selbstverständlich ist. In den vergangenen Jahren hat sich Deutschland konsequent in der internationalen Spitze etabliert. Diese Position immer wieder zu bestätigen, erfordert viel Arbeit, Engagement und Einsatz – von den Spielerinnen und Spielern, dem Trainer- und Betreuerteam und vielen Menschen im Hintergrund.

Gerade deshalb dürfen wir bei aller Enttäuschung nicht vergessen, was wir bei dieser Europameisterschaft erreicht haben. Wir haben vier Spiele gewonnen, uns für das Halbfinale qualifiziert und uns erneut mit den besten Mannschaften Europas gemessen.

Und wir haben uns als Mannschaft weiterentwickelt. Schon vor dem Turnier waren wir eine eng zusammengewachsene Gruppe. Doch die gemeinsamen Erlebnisse, die Siege, die schwierigen Momente und die intensive Zeit in Tschechien haben uns noch einmal enger zusammengeschweißt.

Wir haben zusammen gelacht, gekämpft, gewonnen und verloren. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, füreinander Verantwortung übernommen und gemeinsam viele besondere Erinnerungen geschaffen. Am Ende nehmen wir zwar keine Medaille mit nach Hause, dafür aber viele Erfahrungen, auf denen wir aufbauen können.

Der vierte Platz ist kein Grund, die Enttäuschung über das verlorene Bronzespiel kleinzureden. Aber er ist sehr wohl ein Grund, stolz auf diese Mannschaft und ihre Leistung zu sein.

Und genau mit diesem Gefühl wollen wir auf die Europameisterschaft 2026 zurückblicken und freuen uns auf die die WM im nächsten Jahr in den Niederlanden, wenn wir mit euch allen im Rücken wieder angreifen werden!

 

 

 

Deutscher Turner-Bund e.V. | Sportart Korfball