Zweiter Spieltag, zweiter Sieg und damit bereits der vorzeitige Gruppensieg bei der Europameisterschaft 2026!
Mittlerweile sind wir in unserem gewohnten Turniermodus angekommen. Um 8:30 Uhr ging es zum Frühstück, anschließend stand wieder eine kurze Trainingseinheit in der Halle auf dem Programm. Zurück im Hotel folgte der mittlerweile übliche Mittagssnack, bei dem reichlich Skyr mit Beeren, Weintrauben und Müsli vernichtet wurde.
Danach hatten die Spielerinnen und Spieler eine längere Pause zur Regeneration, bevor es um 15:00 Uhr zur Teambesprechung ging.
Wilco van den Bos und Matthias Freund hatten sich intensiv mit unserem nächsten Gegner, der Türkei, beschäftigt. Grundlage war unter anderem die Videoanalyse des türkischen Auftaktspiels gegen Serbien. Dort hatte sich die Türkei nach einer noch recht ausgeglichenen ersten Halbzeit im weiteren Verlauf deutlich durchgesetzt.
Die Stärken und Schwächen waren analysiert, der Matchplan besprochen und die Mannschaft damit gut auf das vorbereitet, was am Abend auf uns warten sollte.
Ein zerfahrener Start
Von Beginn an wurde deutlich, dass es ein völlig anderes Spiel als gegen die Slowakei werden würde.
Die Türkei setzte auf ihre körperliche Spielweise und das erste Viertel war von vielen Fouls, kleinen Fehlern auf beiden Seiten und zahlreichen frühen Würfen geprägt.
So richtig zufrieden konnten wir mit unserem Spiel nicht sein. Man hatte das Gefühl, dass wir das Spiel möglichst schnell entscheiden wollten. Vielleicht sogar etwas zu schnell. Dabei verloren wir unseren eigenen, ruhigen Korfball aus den Augen.
Mit einer knappen 5:4-Führung ging es in die erste Viertelpause. Die Türkei hatte zu diesem Zeitpunkt auch bereits die erste gelbe Karte kassiert, die bei der Spielweise durchaus schon früher hätte kommen können oder sogar müssen.
In der Viertelpause wurden die Dinge angesprochen, die wir verändern mussten: Die eigenen Fehler reduzieren, die Angriffe wieder ruhiger ausspielen und für klare Wiederholungen sorgen.
Und das zeigte Wirkung.
Mit einem 4:0-Lauf setzten wir uns auf 9:4 ab und hatten das Spiel zunächst deutlich besser unter Kontrolle. Doch die Türkei steckte nicht auf, traf selbst noch zweimal und so ging es mit einer 9:6-Führung in die Halbzeitpause.

Was sagt eigentlich die Statistik?
Ein Blick auf die Halbzeitstatistik zeigte ein durchaus interessantes Bild.
Wir hatten aus 49 Würfen neun Körbe erzielt. Die Türkei kam dagegen mit nur 22 Würfen auf sechs Treffer.
Rein von der Trefferquote war die Türkei damit deutlich effektiver.
Schaut man sich aber die Anzahl der Angriffe ohne eine einzige Wurfchance an, ergibt sich ein völlig anderes Bild: Auf unserer Seite gab es gerade einmal fünf solcher Angriffe, bei der Türkei waren es gleich 17.
Und genau hier zeigt sich das spannende an Statistiken.
Spricht es jetzt für die Türkei, dass sie aus ihren wenigen Chancen so viele Körbe gemacht hat? Oder spricht es für unsere Verteidigung, dass wir so viele türkische Angriffe ohne einen einzigen Wurfabschluss beenden konnten?
Statistiken können eine gute Richtung vorgeben, man kann sie aber auch ganz unterschiedlich interpretieren und im Zweifel sogar falsche Schlüsse daraus ziehen. Eine schwierige Aufgabe für Trainerinnen und Trainer, aber auch für Spielerinnen und Spieler. Am Ende muss man immer auch das einordnen, was tatsächlich auf dem Spielfeld passiert.
Und dort hatten wir durchaus noch Probleme: In der Verteidigung machten wir zu viele unnötige Fehler und ermöglichten der Türkei dadurch immer wieder Strafwürfe und Freiwürfe. Aus dem normalen Distanzwurf hatte unser Gegner bis zur Halbzeit gerade einmal einen Treffer erzielt.
Das Ziel für die zweite Halbzeit war damit klar: Weniger unnötige Fehler machen und wieder mehr Kontrolle über das Spiel bekommen.

Die richtigen Antworten gefunden
Auch die zweite Halbzeit blieb zunächst umkämpft. Viele Unterbrechungen verhinderten einen richtigen Spielfluss und die Türkei nutzte weiterhin jede Möglichkeit, um im Spiel zu bleiben. Mitte des dritten Viertels war unser Gegner beim 10:9 plötzlich wieder bis auf einen Korb herangekommen. Doch statt nervös zu werden, fanden wir erneut die richtigen Antworten und setzten uns wieder auf 13:9 ab. Dieser Vorsprung von wenigen Körben blieb zunächst bestehen.
Erst in der 32. Minute konnten wir uns im letzten Viertel erstmals auf fünf Körbe absetzen. Aber auch das war noch keine Vorentscheidung. Uns war bewusst, dass wir jetzt nicht nachlassen durften, sondern das Spiel konzentriert zu Ende bringen mussten. Und genau das gelang uns. In den letzten Minuten konnten wir unseren Vorsprung sogar noch weiter ausbauen, sodass am Ende ein verdienter 22:15-Sieg auf der Anzeigetafel stand.

Auch solche Spiele gehören dazu
Wilco und Matti ordneten das Spiel am Abend noch einmal intern ein. Natürlich hatten sich beide Trainer einen besseren Start und insgesamt ein etwas anderes Spiel vorgestellt. Der Matchplan war gut vorbereitet, aber wir brauchten Zeit, um ihn auf dem Feld auch wirklich umzusetzen. Was besonders positiv war: Die Mannschaft hatte trotzdem richtig Lust auf dieses Spiel. Wir hatten Spaß an dem Fight, daran, uns gegen einen unangenehmen Gegner durchgesetzt und gemeinsam Lösungen gefunden zu haben.
Fazit: Ein bekannter Spruch aus dem englischen Fußball, der mit Sir Alex Ferguson in Verbindung gebracht wird:
„Wenn du Champion werden willst, musst du auch an einem verregneten Donnerstagabend in Stoke gewinnen können.“
Gemeint ist damit, dass man nicht nur die Spiele gewinnen muss, in denen alles funktioniert, man schönen Sport zeigt und sich vieles leicht anfühlt. Man muss auch dann erfolgreich sein können, wenn der Gegner unangenehm ist, der eigene Rhythmus fehlt und nicht alles nach Plan läuft.
Und genau das haben wir heute geschafft. Wir haben sicherlich nicht unseren besten Korfball gespielt. Aber wir haben uns im Laufe des Spiels gesteigert, die richtigen Antworten gefunden und am Ende verdient gewonnen.
Auch solche Erfahrungen gehören zu einem Turnier dazu und können für den weiteren Verlauf noch wichtig werden.
#Say no to Doping
Nach dem Spiel wurde Theo Nowak noch zur Dopingkontrolle ausgewählt. Es ist erfreulich, dass auch bereits in dieser frühen Turnierphase entsprechende Kontrollen stattfinden.
Zurück im Hotel begann dann wieder die übliche Regeneration. Denn auch wenn wir uns mit dem zweiten Sieg bereits den Gruppensieg gesichert haben, ist die Vorrunde noch nicht abgeschlossen.
Morgen wartet mit Serbien unser dritter Gruppengegner auf uns.
Nach dem dominanten Auftaktsieg gegen die Slowakei und dem umkämpften Spiel gegen die Türkei haben wir damit bereits zwei völlig unterschiedliche Spiele erlebt.
Zwei Spiele, zwei Siege, Gruppensieg gesichert.
Wir freuen uns auf die nächste Aufgabe!
Alle – für – Schwarz Rot Gold!
