3 August 2019

WM 2019 | Tag 2, RSA-GER 6:29

(JS) Wir wussten, dass wir heute gewinnen würden. Der Leistungsunterschied zwischen unserem und Südafrikanischem Korfball ist einfach zu groß. Aber die richtige Freude über den Sieg, so wie gestern beim 37:12 gegen Japan, kam heute Abend in der Globe-Sporthalle in Durban nicht auf. Es war soviel passiert, das unseren Sieg beeinflusste. Sicher habt ihr die Bilder im Live Stream gesehen? Der Boden in der Halle wurde im Laufe des Spiels immer schlechter. Und als sich im letzten Viertel eine Südafrikanische Spielerin verletzte, drohte das Spiel wegen des Bodens abgebrochen zu werden. Hier die Aufarbeitung eines langen Tages…
Die beiden Vorrundenspiele gegen Japan und Südafrika sollten wohl gewonnen werden können. So starteten wir in das Turnier. Gestern gegen Japan grandios, heute etwas holperig. Das Ergebnis von 1:10 im ersten Viertel für uns sagt das zwar anders, aber wir mühten uns mehr ab, als dass wir spielerisch souverän wirkten. Woran lag das?
Waren wir im Kopf schon der sichere Sieger? Oder waren wir schon beim Spiel gegen Portugal? Ist es immer noch und immer, immer wieder die Frage: „Werde ich aufgestellt?“ „Darf ich in der Startacht spielen?“ Oder waren es die Begleitumstände, die heute einfach nicht passten? Diese Halle, es ist die Halle 2 des Turniers, ist einer Weltmeisterschaft nicht würdig.
Ich mag es nicht schreiben: Aber die Halle hat keine Duschen! Alle Spieler ziehen nach dem Spiel ihren Traininganzug an und duschen im Hotel. Die Halle ist zu dunkel.
Ben Crum, niederländischer Meistertrainer und seit Jahren der Mentor der Chinesischen Mannschaft nannte sie die „candlelight hall“. Die Kerzenscheinhalle. Tatsächlich reicht das Licht für ein Korfball-Spiel nicht aus. Es hat nicht die ausreichende Lux-Helligkeit, keine ausreichende Lichtquellendichte und die Spieler werfen daher Schatten. Sie ist klimatisiert. Die Akustik ist schlecht. Und der Boden auch…. wollte man meinen. Das stimmt aber nur bedingt, denn die Teams, die vom Mittag bis zum Abend spielten, hatten keine Probleme.
Bei unserem Spiel war der Boden glatt und musste immer und immer wieder getrocknet werden. Die Halle ist neu, wahrscheinlich hat man keine Erfahrung. Unsere Erklärung könnte sein, dass die kalte Luft der Klimaanlage am Abend, nämlich zu unserer Spielzeit, wegen der wechselnden Temperaturen kondensiert und auf den Boden fällt. Kalte Luft fällt, warme Luft steigt auf.
Alle Spieler rutschten des Öfteren aus. Erst als sich eine Südafrika-Spielerin verletzte, unterbrach der Schiedsrichter die Partie und diskutierte mit der Jury. Man wollte das Spiel abbrechen. Ca. 5 Minuten vor Schluss und beim Stand von 4:25 für uns. Die beiden Trainer, Wilco van den Bos/GER und Elsie Theyse-Hulbos/RSA rieten, vorsichtig das Spiel zu Ende spielen zu lassen. Diesem Wunsch entsprach die Jury. Und so wurde diese „Zitterpartie“ tatsächlich zu Ende gespielt. Das Resultat war nebensächlich, gewonnen hatten wir da schon lange.
Natürlich hat das deutsche Mannschaftsmanagement die Hautwettkampfleitung gebeten, Alles zu tun, um dieses Problem morgen zu beseitigen, denn um 15:30 spielen wir gegen Portugal in dieser Halle. Liegt die Lösung in unserer klimatischen Beurteilung? Schalten wir die Klimaanlage ab? Oder taucht das Problem bei anderer Wetterlage gar nicht oder noch nicht auf, weil wir 3,5 Std. früher spielen?
Welche Auswirkungen diese Begleitumstände auf die mentale Situation der Spieler hat, kann sich jeder ausmalen. Eine optimale Spielvorbereitung und -durchführung sieht anders aus. Leider ist dieses Problem zu berichten. Daher legen wir jetzt keinen Wert auf Spielanalyse und Körbe. Wir haben sechs Punkte auf dem Konto. Portugal auch. Daher ist unser drittes Gruppenspiel morgen gegen Portugal das wichtigste dieses Turniers. Es kann entscheiden, welchen Weg wir gehen müssen: Der eine kann bis zur Bronzemedaille führen, der andere kann im Platz 8 enden. Wir haben heute Abend noch lange gesprochen. Das Team ist guter Dinge, wir auch. Obwohl ich glaube, dass Wilco van den Bos noch in seinem Zimmer über die optimale Aufstellung für morgen grübelt.
Noch ist Zeit. „Morgen“ ist schon heute. Wir spielen am Nachmittag gegen „POR“. Ich habe als Trikotfarbe der Jury „rot“ genannt. Damit haben wir sie in Friesland bei der EM mit 10 Körben Differenz im Halbfinale „aus der Halle gejagt“. Ist das ein gutes Omen? 10 müssen es nicht sein, aber wir brauchen einen Korb mehr, als unser Gegner. Das stimmt übrigens immer, meint
Jochen Schittkowski, TM, Zimmer 1533, Royal-Hotel, Durban, Südafrika
15. Stock mit Blick auf den Indischen Ozean