21 July 2017

REPORT 2–WorldGames | Eröffnung

(JS) Guten Morgen aus Wroclaw. Tag 2 ist vorbei. Die World Games sind eröffnet. Die Bilder, die ihr sicher schon überall gesehen habt, waren beeindruckend. Olympiastadion von Wroclaw war (fast) ausverkauft. Die Show war mehr als grossartig. Und wir waren mittendrin. Das Team ist happy. Obwohl dieser Programmpunkt mehr als anstrengend war.
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Um es vorweg zu sagen: Diese Eröffnung hat uns (und natürlich alle anderen Teilnehmer auch) sieben Stunden gekostet. Logistisch eine hohe Herausforderung. Wir verließen um 15:15 unsere Unterkunft Richtung Busdepot, wurden gecheckt und erhielten dort schon unsere Zuteilung, durch welches Tor das Team Deutschland einmarschieren musste. Fahrweg zum Stadion 40 Minuten. Temperatur Luft: 28 Grad. Temperatur im Bus: 35 Grad.
Das Stadion Miejski Wroclaw ist ein Station der UEFA-Klasse 4, also höchste Klasse und fasst 42.000 Zuschauer. Eröffnung 2011. Also ziemlich neu. Und ziemlich „cool“ konstruiert. Das umlaufend auskragende Dach krönt die Fläche elliptisch geformt und erfüllt jeden konstruktiv ästhetischen Anspruch des Betrachters. Die Teams wurden nach der Sicherheitskontrolle in die unteren Ebenen geführt, in denen es Sitz- und Liegeflächen gab, auch Getränke und Obst wurde gereicht. Wir mussten hier für 2,5 Stunden warten. Wem es gelang, einen Platz auf den Kissen zu erlangen, konnte vielleicht ein wenig schlafen. Den Wenigsten gelang dies. Die Zeit wurde lang, ehe die Countdown-Uhr auf 0:00 sprang. Die Eröffnung startete pünktlich um 19:00. Für den Einmarsch der Teams gingen dann nochmal 45 Minuten ins Land, ehe die Reihen organisiert waren, denn es galt, paarweise einzumarschieren, die Trainer nicht beim Team, sondern am Ende. Es gibt Regeln, die versteht man nicht so richtig.
Entschädigt hat all dies der Moment, als wir aus den „Katakomben“ ins Stadion kamen. Dieser Moment war grandios und verursachte bei mir ein Gänsehautgefühl. Hunderte Scheinwerfer, eine tolle Akustik, Live-Orchester, Jugendliche „Zwerge“, das Wahrzeichen Woclaws, standen Spalier und klatschten jeden von uns ab. Ein tolles Publikum, das jedes Team nach der Vorstellung auf Polnisch und Englisch frenetisch empfing. Schwenkende Fahnen, ein Einmarschweg über Stege mit erleuchtenden Glasböden, rechts und links von mir "Team Germany" mit Faustballern, American Footballern, Fallschirmspringern und hundert Anderen. Henning, Jan und ich waren nicht beim Team, denn: (Regel): Die Trainer gehen am Ende. (?)
Der Weg auf die Tribünen an applaudierenden Zuschauern vorbei war erhebend. Die Einmarschprozedur dauerte für uns wohl 20 Minuten. Insgesamt wurden über 100 Nationalteams mit über 3.000 Sportlern ins Stadion geführt.
Das Eröffnungsprogramm war gut organisiert, modern interpretiert, jede Musikrichtung kam zu Einsatz, die Sportarten wurden per Videowand vorgestellt. Tanzeinlagen rundeten ab, ehe IOC-Präsident Dr. Thomas Bach, der das Publikum auf Polnisch begrüßte, die WorldGames 2017 eröffnete. Schöner Moment. Wir waren dabei.
Wir waren um 22:00 zurück in der Unterkunft, müde, als wenn wir einen Spieltag hinter uns gebracht hätten, aber froh, an diesem Spektakel teilhaben zu dürfen. Für das Team ging es noch zum Essen, das „Staff-Team“ hatte noch den Zeitplan für heute zu besprechen. Nach einer Stunde, einigen wenigen Dosen Bier, einer Tafel Schokolade und einer Tüte Erdnüsse (geteilt durch sechs Personen) endete der Tag um 23:00. Mein Zeitplan dauerte noch etwas länger: Ich stellte ihn dann 00:11 online. Zu diesem Zeitpunkt las ihn vom Team niemand mehr.
Übrigens: Wir spielen auch Korfball. Heute ist „Matchday“. Taiwan wartet um 13:30 auf unser Team.
Jochen Schittkowski, Wroclaw